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Susanne Maier (Name geändert) liegt ganz ruhig in ihrem Pflegebett im Krefelder Gerhard-Tersteegen-Haus und lauscht den Worten von Diana Drechsler. Die Stimmung im Zimmer ist gelöst, aber gleichzeitig spannungsgeladen. Dafür sorgt die 46jährige Märchenerzählerin, die heute am Bett von Susanne Maier Platz genommen hat. Gekleidet wie eine Dame aus tausend uns einer Nacht sitzt die gelernte Waldorfpädagogin dort, hat eine Zither auf den Knien und gibt dem erzählten Wort einen romantisch-träumerischen Klang. Heute erzählt sie ein Märchen aus dem Orient. Es geht um ein geheimnisvolles Kästchen, das seinem Besitzer unermesslichen Reichtum beschert.

Für Susanne Maier ist es ebenfalls bereichernd, wenn Diana Drechsler sich ganz allein mit ihr beschäftigt. Als sie vor knapp zehn Jahren mit Mitte 40 ins Gerhard-Tersteegen-Haus einzog, war sie ein Pflegefall. Mit einer halbseitigen Lähmung, einer tiefgreifenden Störung des Sprachzentrums sowie dem Verlust der Feinmotorik würde sie fortwährend auf fremde Hilfe angewiesen sein.

Fortan gehörte sie zu den immobilen Patienten des Pflegeheims. Alle gemeinschaftlichen Aktivitäten fanden ohne sie statt, es strengte sie enorm an, auch nur für kurze Zeit im Rollstuhl zu sitzen. Doch dank vieler Stunden therapeutischer und pflegerischer Maßnahmen und mit großem und ungebrochenem Gottvertrauen, kehrte sie langsam ins Leben zurück. Heute, zehn Jahre danach, ist sie zwar immer noch pflegebedürftig und kann ihr Bett nicht alleine verlassen, doch sie kann wieder etwas sprechen und sogar einen Stift halten. An den gemeinschaftlichen Aktionen nimmt sie nur sehr selten teil, es strengt sie immer noch zu sehr an.

Daher genießt sie die Besuche der Märchenerzählerin umso mehr. Dann kann sie eintauchen in eine Phantasiewelt, kann dem Alltag mit Pflege, Therapie, Schmerzen und Einschränkung entfliehen. Die orientalischen Erzählungen haben es ihr besonders angetan. Diana Drechsler kann sich auf jeden Zuhörer intensiv vorbereiten und die passenden Erzählungen aussuchen. Zu ihren Besuchen bei den Bewohnern gibt es ein Vorgespräch mit Judith Faust, der Psychologin des Hauses. Von ihr erhält Diana Drechsler wichtige Informationen zu Tagesverfassung und Vorlieben der Bewohner, die sie besucht.
Wenn Diana Drechsler ihre Runde durch die Zimmer des Wohnbereichs gemacht hat, wird sie schon sehsüchtig im Garten oder im Gemeinschaftsraum des Hauses erwartet. Dort versammelt sich ein ums andere Mal eine Gruppe von bis zu zwölf Senioren, die auf ein neues Märchen warten. Hier sind die Klassiker gefragt – Märchen der Gebrüder Grimm, Christian Andersen, Ernst-Moritz Arndt oder Theodor Storm.

Alte Menschen jenseits der 80 oder 90 Jahre, besonders auch Menschen mit Demenz, werden auf diese Art ganz besonders angesprochen. „Viele dieser alten Menschen haben Lieblingsmärchen, die für sie eine besondere Bedeutung haben“, so Diana Drechsler. „Ich rege mit den Märchen zum Träumen oder Nachdenken an. Viele Zuhörer sind danach emotional sehr angerührt.“

Judith Faust: „Märchen wecken Erinnerungen. Menschen mit Demenz gehen mit Fortschreiten der Krankheit in ihrem inneren Erleben immer weiter zurück in ihre Vergangenheit. Häufig erleben sie sich selbst zunehmend als seien sie hier und jetzt in ihrer Kindheit: Sie fühlen sich als das Kind, das sie einmal waren. Märchen schaffen Begegnung, Aktivierung und Wohlbefinden.“

Judith Faust ist Psychologin und arbeitet seit vielen Jahren mit alten, pflegebedürftigen und dementen Menschen. Sie ist von der Wirkung der Märchen begeistert und wünscht sich regelmäßige Angebote.

Um das Angebot auszuweiten und es regelmäßig in allen drei Einrichtungen der Altenhilfe des Neukirchener Erziehungsvereins anbieten zu können, benötigen wir rund 10.000 Euro jährlich pro Einrichtung.









Sollte dieses Projekt durch Spendeneingänge vollständig finanziert sein, behalten wir uns vor, überschüssige Spendengelder in ein artverwandtes Projekt der Altenhilfe zu investieren.



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