 Therapeutische Hilfen - Psychologische-psychotherapeutische Hilfen Menschen mit geistiger Behinderung zeigen häufig Problemverhalten, das in Zusammenhang mit psychiatrischen Krankheitsbildern stehen kann. Die relevanten psychischen Auffälligkeiten, die in der Literatur bei 30 bis 40 Prozent aller Menschen mit geistiger Behinderung angegeben sind, sind nur bedingt bekannten psychiatrischen Krankheitsbildern zuzuordnen. Zu Störungsbildern bei geistiger Behinderung zählen u.a. spezifische hyperkinetische Störungen, Verhaltensauffälligkeiten (massive Eigen- und Fremdaggressionen, Hospitalismus, verschiedene Ess- und Ausscheidungsstörungen, affektive Störungen u.a.). Das gezeigte Problemverhalten beruht vermutlich auf einem Zusammenspiel unterschiedlichster, komplex verknüpfter Bedingungen. Ein mehrdimensionaler Ansatz und differenzierte Behandlungsangebote sind notwendig, um Einfluss nehmen zu können.
Der psychologische-psychotherapeutische Dienst kann für spezifische Diagnostik wie Entwicklungs- und psychopathologische Diagnostik, Verhaltensbeurteilungen, gezielte Behandlungsangbote sowie niederschwellige psychotherapeutische Beratungen in Anspruch genommen werden. Alle Angebote dienen als ergänzende Hilfestellung bei der Bewältigung des Lebensalltages, des Selbsterlebens, der Autonomieentwicklung und der Bearbeitung von tiefgreifenden und traumatisierenden Störungsbildern der Bewohnerinnen und Bewohner. Die Beratung der Betreuerinnen und Betreuer findet regelmäßig im Rahmen der Verlaufsgespräche sowie auf Anfrage statt.
Bedarfsorientiert werden unterschiedliche therapeutische und psychotherapeutische Behandlungen unter Berücksichtigung der geistigen und körperlichen Behinderung, dem Entwicklungsstand, dem aktuellen Störungsbild, den sozialen Lebensbedingungen, den sozialen, körperlichen und geistigen Möglichkeiten unter Berücksichtigung des Alters angeboten.
Orientierung bietet dabei die These der sogenannten Verhaltensmodifikation, dass jedes Verhalten erlernt wurde - auch das Störverhalten. Mit Hilfe der Verhaltenstherapie, die auf den Prinzipien der Lerntheorien aufgebaut ist, sollen erwünschte Verhaltensweisen aufgebaut und unerwünschte abgebaut werden. Nach einer Verhaltensanalyse, welche über Entstehung und Bedingungen von Fehlverhaltensweisen Aufschluss geben kann, werden mit Bewohnern leichter und gegebenenfalls mittelgradiger geistiger Behinderungen alternative Verhaltensformen erarbeitet und eingeübt.
Interventionsmethoden können sein:
- Einfache Techniken der positiven Verstärkung bei respondenten/operanten Verhaltensweisen können zur Stärkung erwünschter bzw. Abbau unerwünschter Verhaltensweisen nach verhaltenstherapeutischen Inventaren eingesetzt werden (wie: Shaping, Chaining, Prompting, Fading, Modellernen, Generalisierung)
- Abbau psychischer Spannungen durch Entspannungstrainung (progressive Muskelrelaxation, autogenes Training/ konzentrative Selbstentspannung und Autosuggestion)
- Bei phobischen Symptomen, situationsspezifischen Angstzuständen und Vermeidungsverhalten kann bei Erwachsenen mit leichter geistigen Behinderung systematische Desensibilisierung eingesetzt werden.
- Geistig behinderte Erwachsene und Kinder können in gespielten Situationen an Problemlösung herangeführt werden: Das Spiel dient dazu, eine entspannte Situation zu schaffen und befähigt zu agieren und zu reagieren. Im Spiel können Lernsituationen geschaffen werden, in welchen Funktionen und Abläufe eingeübt werden können. Durch das Spiel erhält der Therapeut wichtige Informationen über das Verhalten des Kindes z.B. in der Reaktion auf Frustrationen oder bei Wettbewerbsituationen, die bewusst gemacht werden können und spielerisch/szenisch einen geschützten Zugang zu Einstellungen, Wünschen und Gefühlen des Kindes ermöglichen. Bei Kindern und Erwachsenen werden personabhängig zusätzliche Interventionstechniken eingesetzt (z.B. therapeutisches Figuren- und Puppenspiel , musik und tanztherapeutische Vorgehensweise).
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