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Kein „Erziehungscamp“ im Neukirchener Erziehungsverein Neuer Einrichtungsleiter arbeitet an Konzept für straffällige Jugendliche
(Neukirchen-Vluyn, 7. Februar 2008)
Der Neukirchener Erziehungsverein arbeitet an einem Konzept zur Betreuung und Reintegration straffälliger Jugendlicher. Das werde kein „Erziehungscamp“ sein, sagte Thomas Simon, seit Januar Einrichtungsleiter des Neukirchener Kinder- und Jugenddorfs. Das Projekt bezeichnete Simon als „intensives Gruppenangebot“ mit starker Regel- und Strukturorientierung. Es sei alles andere als „Schmusepädagogik“, wenn Jugendliche unter dem Eindruck der richterlichen Auflagen intensiv mit ihren Taten und den Opfern konfrontiert würden, meinte der Pädagoge. „Wenn sich die Jugendlichen dann immer noch nicht zur Zusammenarbeit bereit erklären, wandern sie in den Knast“, erläuterte der 48-Jährige die Rechtslage.
Parallel zur Entwicklung dieses Konzepts wird im Neukirchener Kinder- und Jugenddorf zur Zeit ein Haus für den Aufbau einer zweiten Therapeutischen Interventionsgruppe (TIG II) renoviert. Diese Gruppe richtet sich an jugendliche Sexualstraftäter, die teilweise jünger als 14 Jahre sind. Seit mehr als drei Jahren gibt es im Erziehungsverein bereits eine Therapeutische Interventionsgruppe (TIG I). „Allein 2007 mussten wir für die Gruppe etwa 50 Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet ablehnen, da die Kapazität auf sechs Plätze begrenzt ist“, begründete Thomas Simon die Entscheidung zum Ausbau der Arbeit. In der TIG durchlaufen die Kinder und Jugendlichen im Laufe eines Jahres ein sechsstufiges Therapieprogramm. Die meisten der bisher etwa 20 Jugendlichen seien mit einer positiven Prognose in ein weiterführendes Angebot vermittelt worden, so Simon.
Auch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Familien der Kinder und Jugendlichen wird zukünftig intensiver umgesetzt. „Mit dem Familienaktivierungsprogramm bereitet das Neukirchener Kinder- und Jugenddorf ein neues Angebot vor, das nicht nur mit dem Jugendlichen in Neukirchen, sondern mit der gesamten Familie an dessen Wohnort in besonderer Form auf eine erfolgreiche Rückkehr hinarbeiten möchte“, erklärte Simon. „Familienaktivierend“ sei ein Begriff, der den Blick auf vorhandene Stärken und Ressourcen aller Familienmitglieder lenke und darauf ausgelegt sei, so viel Verantwortung wie möglich bei den Eltern zu belassen.
Thomas Simon war von 1984 bis 1998 bereits im Neukirchener Erziehungsverein tätig: zunächst in der Mädcheneinrichtung Haus Elim, dann als Pädagogischer Leiter im Neukirchener Kinder- und Jugenddorf. Von 1999 bis 2007 arbeitete er im CVJM Essen Sozialwerk, seit 2003 als Geschäftsführer. Sein Vorgänger im Kinder- und Jugenddorf, Günther Neumann, wechselte 2007 als Dozent an das Berufskolleg im Erziehungsverein. Im Neukirchener Kinder- und Jugenddorf leben zur Zeit in sieben Gruppen 45 Kinder- und Jugendliche. Die Einrichtung ist eine von drei stationären Einrichtungen des Neukirchener Erziehungsvereins in Neukirchen-Vluyn. Bundesweit werden mehr als 1.500 Kinder und Jugendliche betreut.
Tobias Häßner | Öffentlichkeitsreferat | Fon: 02845/392375
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