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Ambulante Betreuung macht´s möglich

Trotz Behinderung in der eigenen Wohnung leben

(Neukirchen-Vluyn, 22. Januar 2009) Der Neukirchener Erziehungsverein hat sein Angebot im Ambulant Betreuten Wohnen für Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet. Die Arbeit begann 2003 im Kreis Wesel, in Duisburg und Krefeld sowie im Kreis Heinsberg. Seit 2008 gibt es auch Betreuungen in Düsseldorf, Neuss und im Kreis Viersen. Zum Jahresanfang 2009 werden insgesamt 70 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren von den Sozialpädagoginnen und –pädagogen betreut. Der Neukirchener Erziehungsverein trägt damit einer gesellschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre Rechnung: Es gibt immer mehr Menschen, die aufgrund von geistigen Behinderungen oder langanhaltenden psychischen Belastungen ein Leben in den eigenen vier Wänden nicht ohne Unterstützung bewältigen können.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Erziehungsvereins helfen je nach individuellem Bedarf bei der Planung und selbständigen Bewältigung des Alltags, bei der Haushaltsführung und der Gesundheitsfürsorge. Die Unterstützung bei Behördenangelegenheiten gehört ebenso dazu wie die Hilfestellung bei der Einteilung des zur Verfügung stehenden Geldes. Geholfen wird auch bei der Freizeitgestaltung und bei der Lösung von Schwierigkeiten mit Freunden, Nachbarn und Arbeitskollegen.

Rund zwei Drittel der Betreuten sind geistig behindert, ein Drittel leidet unter einer psychischen Behinderung. Einige wenige sind suchtkrank. Grundlage der Betreuung ist ein mit dem Landschaftsverband Rheinland vereinbarter Individueller Hilfeplan. „Trotz Behinderung ist es den meisten Menschen so möglich, in der eigenen Wohnung ein Leben nach eigenen Vorstellungen zu führen“ erläutert Ralph Kluthe, Einsatzleiter für das Betreute Wohnen beim Erziehungsverein. So wie die 25-jährige Jennifer Gärtner aus Kamp-Lintfort. Die junge Frau mit einer leichten geistigen Behinderung arbeitet tagsüber in der Textilgruppe der Caritas-Werkstätten in Rheinhausen und wird seit Juli 2006 ambulant vom Neukirchener Erziehungsvereins betreut.
„Viele Menschen mit einer leichten geistigen Behinderung können vielleicht nicht so gut planen, wie man eine Wohnung dauerhaft in Ordnung hält“, erläutert Ralph Kluthe. „Bekommen sie aber bei dieser Planung Unterstützung, fällt ihnen das Staubsaugen an sich nicht wirklich schwer. Oder sie bekommen Hilfe beim Lesen des Briefes, den der Vermieter wegen der anstehenden Treppenhausrenovierung geschrieben hat. Wenn sie dann die Sicherheit spüren, dass sie den Brief richtig verstanden haben, können sie alleine erledigen, was zu tun ist.“

Andere wünschen sich Begleitung zu Ämtern oder bitten darum, dass man sie beim Arztbesuch begleitet. Denn oft hätten sie in der Vergangenheit die Diagnose nicht richtig verstanden oder zuhause bereits wieder vergessen, was ihnen der Arzt aufgetragen habe, so Kluthe, der auch die Folgen kennt, wenn behinderte Menschen weitgehend auf sich alleine gestellt sind. „Viele schämen sich dafür, dass sie nicht alles so gut können und ziehen sich immer mehr zurück, bis sie schließlich gar keine Kontakte mehr haben und am gesellschaftlichen Leben kaum noch teilnehmen.“ Diesen Menschen könne das Betreute Wohnen wieder Mut machen. Die oftmals kleinen Alltagsprobleme ließen sich bewältigen, das Selbstbewusstsein wachse und die Scheu, auch mal wieder unter Menschen zu gehen, verschwinde.

Eine Reihe von ergänzenden Angeboten rundet die ambulante Betreuung ab. So organisieren die Büros des Erziehungsvereins auch Gruppenausflüge, Bastel-, Koch- oder Sportangebote, gemeinsame Besuche von kulturellen und christlichen Veranstaltungen. Hilfen gibt es auch bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung, bei Umzügen und bei der Einrichtung von Wohnungen. Jennifer Gärtner jedenfalls genießt die Unterstützung durch ihre BeWo-Betreuerin. Sie freut sich, dass ihr Leben durch die regelmäßige Hilfe unproblematischer geworden ist. Sie ist stolz darauf, dass sie ihr Leben in den eigenen vier Wänden gut geregelt bekommt. Sie ist in den zwei Jahren der Betreuung viel selbstbewusster geworden. Im Mai letzten Jahres ist sie von Neukirchen-Vluyn mit ihrem Freund Sebastian zusammen nach Kamp-Lintfort gezogen. Im Mai wird ihr gemeinsames Kind geboren. Dann hat Jennifer Gärtner einen weiteren Schritt in Richtung eines ganz normalen Lebens inmitten unserer Gesellschaft getan.
Wer Interesse an dem Angebot des Betreuten Wohnens hat und weitere Informationen wünscht, kann sich direkt an Ralph Kluthe in seinem Büro in Neukirchen-Vluyn werden: Telefon 02845 / 9419793, ralph-kluthe@neukirchener.de

Zum Foto: Jennifer Gärtner (Mitte) mit ihrer Mutter Beate Gärtner (links) und Betreuerin Heike Kerkhoff.

 

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