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Außergewöhnliche Ferienfahrt ins Emsland Menschen im Wachkoma erlebten Natur und Tiere mit allen Sinnen
(Krefeld, 2. Juni 2009.) „Es waren wunderschöne Tage, die alle Erwartungen übertrafen.“ Dieses Fazit einer einwöchigen Ferienfahrt in Emsland mit fünf Menschen im Wachkoma zog jetzt die Psychologin Judith Faust vom Gerhard Tersteegen Haus an der Virchwostraße. Nach längerer Vorbereitung war die Gruppe in Begleitung von fünf Pflegefachkräften, einer Physiotherapeutin und einer Ergotherapeutin sowie einem Angehörigen ins landschaftlich reizvoll gelegene Haus Landegge in Haren aufgebrochen. Der ehemalige Gutshof erwies sich als idealer Urlaubsort für die schwerstkranken und pflegebedürftigen Menschen.
Das gute Wetter, die fürsorgliche Gastfreundschaft der Inhaberfamilie, eine optimale Unterbringung und Versorgung sorgten gleich für eine positive Grundstimmung. Judith Faust: „Es war beeindruckend, wie sich die Menschen im Wachkoma mit allen ihren Sinnen und Wahrnehmungsmöglichkeiten öffnen konnten.“ So genossen sie sichtlich den Duft und die Farben der Gräser, Bäume und Blumen, die wärmende Sonne auf der Haut und den Wind, der die Haare zerzauste. Auch das Singen der Vögel und das Wiehern der Pferde nahmen sie wahr. Sie konnten Tiere streicheln und eine Blume in die Hand nehmen. Hinzu kam das Erlebnis von Gemeinschaft mit vertrauten Menschen.
„Keiner unserer Bewohner zeigte in dieser Woche irgendeine Form von Stress“, so Judith Faust. Selbst am Abend des Anreisetages waren nur allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung erkennbar. Alle lagen entspannt in den Betten und schliefen nahezu selig ein. Diese gute Stimmung hielt über die komplette Woche an. Judith Faust: „Beeindruckt hat mich, dass jeder durchweg entspannt, aber gleichzeitig im Wachzustand hochaufmerksam war und im Kontakt mit seiner Umwelt stand.“
Die Bewohner nutzten die Woche ganz unterschiedlich: So zeigte sich der eine eher als ruhiger Genießer-Typ, der offensichtlich vollauf zufrieden war in den wärmenden Sonnenstrahlen und der Ruhe der Natur. Ein anderer entpuppte sich als ausgesprochener Tierliebhaber und erfreute sich mit Augen, Ohren und Händen an Pferd, Hund, Schwein, Ziege und Kaninchen. Andere genossen vor allem das fröhliche unbeschwerte Zusammensein, das Spielen mit dem Hund, den Spaß in der Gruppe und das gute Essen. Eine Bewohnerin begeisterte sich allem für die Pferde und entdeckte schließlich gemeinsam mit einer Hippotherapeutin das Reiten für sich. Über die Entwicklung seiner Frau war auch der mitgereiste Angehörige sichtlich gerührt und glücklich.
Judith Faust: „Auf faszinierende Weise gelang es jedem unserer Bewohner, sein individuelles Potenzial zu entfalten. Spastiken gingen teilweise zurück, Hautbilder verbesserten sich. Es entwickelten sich Sprache, Motorik und Mimik. Dies geschah mitunter so beeindruckend, dass uns manchmal die Worte fehlten.“ Die Teilnehmer fühlten sich so wohl, dass bei einigen am Vortag der Abreise bei einigen sogar Tränen flossen. Jeder der Bewohner bekam ein kleines Geschenk zur Erinnerung und wurde mit besonders viel Aufmerksamkeit zu Bett gebracht. Judith Faust: „Diese Traurigkeit, zeigte uns, wie sehr die Bewohner diese Fahrt genossen haben. Sie zeigte uns aber auch, wie sensibel, hochaufmerksam und überaus lebendig diese Menschen im Wachkoma sind und wie notwendig es ist, sie in ihrer Ganzheit als Menschen wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen.“
Möglich geworden war die Ferienfahrt ins Emsland nur durch Spenden, die der Neukirchener Erziehungsverein als Träger des Gerhard Tersteegen Hauses seit dem Jahr 2006 gesammelt hatte. Auch Kirchengemeinden in der Region hatten mit Kollekten zur Finanzierung beigetragen. Für den nahezu unentglichen und freundlichen Hin- und Rücktransport der Menschen im Wachkoma sorgte ein Krefelder Spezialunternehmen.
Rückfragen bitte an:
Judith Faust
Diplom-Psychologin
Psychologische Psychotherarapeutin
Neukirchener Erziehungsverein
Gerhard Tersteegen Haus
Fachabteilung für Wachkoma
Tel.: 02151 / 8208-240
Email: judith.faust@neukirchener.de
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