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Ins ehemalige Freizeitheim in Arsbeck ziehen bald Kinder und Jugendliche ein (Wegberg, 25. März 2010). Aus dem ehemaligen evangelischen Freizeitheim in Wegberg-Arsbeck wird ein Wohnheim für Kinder- und Jugendliche mit geistigen Behinderungen. Der Neukirchener Erziehungsverein, einer der größten Träger von Jugend- und Behindertenhilfeeinrichtungen im Rheinland, hat das seit längerem leerstehende Gebäude an der Helpensteinstraße am Ortsrand erworben. Der behindertengerechte Umbau soll im Februar nächsten Jahres fertig sein. Die Investitionen liegen einschließlich der Kaufsumme für das Haus bei rund 1,1 Millionen Euro.
In drei Gruppen sollen insgesamt 18 junge Bewohner Platz finden. Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche mit dem Schwerpunkt der geistigen Behinderungen. „Die besondere Schwierigkeit dieser Kinder ist jedoch, dass sie aufgrund ihrer Behinderung zusätzlich problematische Verhaltensweisen mitbringen oder entwickelt haben", erläutert Projektleiter Roland Reichert. „Die Kinder zeigen zum Teil herausforderndes Verhalten und sind schwer lenkbar." Häufig bestehe auch ein hoher Aufsichtsbedarf, da die Kinder Gefahren schlecht einschätzen könnten. „Manche Kinder können nur stundenweise oder auch gar nicht mehr zur Schule gehen." Die Kombination von geistiger Behinderung einerseits mit Verhaltensauffälligkeiten andererseits überfordere viele Familien auf Dauer. Deswegen seien betroffene Eltern häufig am Ende ihrer Kräfte angelangt.
Kinder mit dieser Problematik würden häufig in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht, seien dort aber aufgrund ihrer Behinderung fehlplatziert. Aber auch im Rahmen „klassischer" Behindertenhilfe seien sie schlecht aufgehoben, weil ihre besonderen Verhaltensauffälligkeiten dort häufig den Rahmen sprengten. Reichert: „Die Folge ist nicht selten, dass diesen Kindern eine Heimkarriere droht."
Idealer Standort
Bereits im Jahre 2003 hatte der Landschaftsverband Rheinland den Neukirchener Erziehungsverein gebeten, mit Blick auf die unzureichende Versorgungslage solcher Kinder und Jugendlichen ein Konzept zu erarbeiten, um die Versorgungslücken an hoch spezialisierten Betreuungsformen zu schließen. Dabei wurde die Region Heinsberg vorgeschlagen, da es in diesem Raum keine Angebote für Kinder mit Behinderungen gibt. Der Neukirchener Erziehungsverein unterhält bereits in Wegberg ein Regionalbüro mit ambulanten Angeboten der Jugend- und Behindertenhilfe. Der Standort am Ortsrand von Arsbeck erwies sich als ideal für das Projekt. Die Anbindung an die bestehende Infrastruktur ist gut, das Haus ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, Versorgungs- und Einkaufsmöglichkeiten sind in ebenso vorhanden wie Ärzte und medizinisch-therapeutische Einrichtungen.
Der Umbau ist mit der Hochbauabteilung des Landschaftsverbandes Rheinland sowie mit dem Kreis Heinsberg abgestimmt und berücksichtigt, dass es sich in erster Linie nicht um ein Haus mit somatischer Pflege handelt, sondern dass Lebensräume für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen und einem besonderen Förderbedarf geschaffen werden. Es entstehen drei einzeln zugängliche Wohnungen für je sechs Kinder. „Einen Heimcharakter wollen wir dabei natürlich vermeiden", so Roland Reichert. Die großzügigen Außenflächen laden zum Spielen und Toben ein.
Die Kinder und Jugendlichen können dauerhaft in den Wohngruppen leben. Neben dem individuellen Förderbedarf in Bezug auf geistige, soziale und körperliche Entwicklung wird die Schaffung von Geborgenheit, Verlässlichkeit und Struktur eine wesentliche Rolle spielen. Zur Verfügung stehen zudem autismusspezifische Förderprogramme, aber auch Verhaltenstherapie, Spieltherapie und gestalttherapeutische sowie musisch-therapeutische Programme. Eine kontinuierliche Elternarbeit und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Einrichtungen (Schulen, Vereine, Verbände und Kirchengemeinden) sind unerlässlich. Im Freizeitbereich sollen differenzierte, bedarfsgerechte Angebote sowohl musischer als auch sportlicher Art gemacht werden.„Ein grundlegendes Ziel der Arbeit ist die möglichst weitgehende Verselbständigung der Kinder", so Roland Reichert. Mit der Volljährigkeit sollen sie in weiterführende Wohnformen entlassen werden können.
Mit der neuen Einrichtung schafft der Neukirchener Erziehungsverein auch neue Arbeitsplätze in Arsbeck. Im pädagogischen Dienst werden 13 Mitarbeitende ihre Arbeit aufnehmen. Hinzu kommen zwei Mitarbeitende im therapeutischen Dienst sowie drei Mitarbeitende in Hauswirtschaft und Hausmeisterei. Vorgesehen ist auch ein Nachtwachensystem. An der Finanzierung beteiligt sind die Aktion Mensch, die Stiftung Wohlfahrts-pflege sowie das Landesministerium für Bauen und Verkehr.

Freude über den Baubeginn in Arsbeck: Vorstand, Architekten und beteiligte Kollegen aus Behindertenhilfe und Verwaltung beim symbolischen Spatenstich.
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