Die Neukirchener Kinder-Bibel
und die Neukirchener Erzählbibel

Leseprobe Kinder-Bibel

Lasst die Kinder kommen!

Einmal war Jesus
mit gelehrten Männern
in ein Gespräch vertieft.
Da kamen Frauen mit ihren Kindern
auf der Straße daher.
Die einen führten sie an der Hand.
Die anderen trugen sie auf dem Arm.
Wie zu einem Fest kamen sie an,
eine fröhliche, lärmende Schar.

Als aber die Jünger sie sahen,
wurden sie ärgerlich.
Jesus hatte doch genug
mit den Männern zu tun!
Und jetzt auch noch Frauen
und schreiende Kinder?
Das ging wirklich zu weit!

„Was wollt ihr hier?"
herrschten sie die Frauen an.
„Wollt ihr etwa die Kinder
zu Jesus bringen?
Die sind doch viel zu klein!
Die verstehen ja noch nichts.
Geht nur wieder heim!
Ihr stört Jesus!"

Aber Jesus fuhr seine Jünger an.
„Laßt sie!" rief er.
„Laßt die Kinder zu mir kommen,
und haltet sie nicht zurück!
Denn sie gehören mehr zu Gott
als ihr alle.

Und ich sage euch:
Wenn ihr nicht werdet wie Kinder,
werdet ihr nie zu Gott kommen."
Und er winkte die Kinder zu sich,
schloß sie in seine Arme
und legte die Hände auf sie
und segnete sie.

Markus 10, 13-16

Leseprobe Erzählbibel

Die Frau am Brunnen

Eines Tages zog Jesus
mit seinen Jüngern nach Galiläa.
Er wählte den kürzesten Weg,
der über Samarien führte.
Es war ein Weg,
den nur wenige Juden gingen.
Denn die meisten Juden
mieden dieses Gebiet,
weil die Samaritaner
einen anderen Glauben hatten als sie.
Der Weg führte
über die Stadt Sychar.
Es war eine kleine Stadt,
am Fuß eines Berges gelegen.
Dort lebte eine Frau,
die hatte schon viel Leid
in ihrem Leben erfahren.
Fünf Männer hatte sie
nacheinander gehabt.
Nun lebte sie wieder
mit einem Mann zusammen.
In der ganzen Stadt
redete man über sie.
Die Frau spürte,
was andere über sie dachten.
Darum wich sie allem Gerede aus.
Abends, wenn die anderen Frauen
zum Brunnen hinausgingen,
blieb sie im Haus.
Und in der Mittagshitze,
wenn die Straßen verlassen waren,
ging sie allein zum Brunnen hinaus.
Es war der Jakobsbrunnen,
eine uralte Zisterne.
Schon Urvater Jakob
hatte daraus Wasser geschöpft.

Eines Mittags ging die Frau
wieder zum Brunnen hinaus.
Die Sonne brannte heiß.
Weit und breit
war niemand zu sehen.
Doch plötzlich blieb die Frau stehen.
Dort drüben am Brunnen,
da saß jemand!
Ein Fremder war es.
Er sah aus wie ein Jude.

Wie ist das nur möglich?,
überlegte die Frau.
Ein Jude an unserem Brunnen?
Um diese Zeit?
Auf wen wartet er?
Was will er?
Aber die Frau tat so,
als ginge sie der Fremde nichts an.
Sie stellte ihren Krug ab,
ließ ihn am Seil
in den Brunnen hinab
und zog den vollen Krug
wieder nach oben.
Schon wollte sie den Krug nehmen
und wieder umkehren,
da sprach der Fremde sie an:
„Gib mir zu trinken!"

Die Frau sah ihn erstaunt an.
„Wie? Du sprichst mit mir?
Ich bin doch
eine samaritische Frau.
Du aber bist Jude!" 4,9
Und sie dachte bei sich:
Wer mag dieser Mann sein?
Weiß er denn nicht,
dass es den Juden verboten ist,
eine Frau anzusprechen,
dazu noch eine samaritische Frau?

Aber der andere fuhr fort:
„Wenn du wüsstest,
wer dich hier bittet,
dann würdest du mich bitten:
‘Gib mir zu trinken!’
Und du würdest von mir
frisches Quellwasser bekommen."

Die Frau musterte den Mann
von oben bis unten.
„Wie denn? Womit denn? 4,11f.
Du hast ja gar keinen Krug!
Du siehst doch:
Der Brunnen ist tief!
Wie willst du denn daraus
frisches Quellwasser schöpfen?
Oder kennst du noch
eine bessere Quelle?"

Johannes 4, 1-42

 

 

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