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Wohnung frei!
Als wir unser Haus gegenüber des Stadtfriedhofs zum ersten Mal besichtigten, sagte der Verkäufer lapidar: „Und dort wohnen die umgänglichsten Nachbarn- die sind ganz leise!“ Andere meinten: „Ach, dann wisst ihr wenigstens schon, wo euer letzter Umzug hingehen wird!“ Tatsächlich wurde es einigen früheren Kaufinteressenten wohl bei dem Gedanken mulmig, aus allen Fenstern den Blick auf die Gräber zu haben. Ganz anders als bei mir, die ich den Blick und die Spaziergänge unter den 150 Jahre alten Bäumen und den Park mit seinen tages- und jahreszeitlich wechselnden Stimmungen und die besondere, ruhige Atmosphäre liebe. Doch manchmal, wenn ich wieder eine Beerdigung mit ansehe, an einem liebevoll geschmücktem Kindergrab vorbeigehe oder an den Jahreszahlen auf dem Grabstein erkenne, dass ein Mensch viel zu jung gestorben ist, komme auch ich ins Grübeln. Obwohl ich als Christ ja weiß, dass mich nach meinem Leben hier ein unvorstellbar gigantischeres in Gottes Gegenwart erwartet, fällt der Gedanke an den eigenen Tod oder den eines geliebten Menschen doch schwer. Verständlich auch, dass man im eigenen Leben noch Ziele erreichen will und Träume verwirklichen möchte, das Leben genießen. Auch vielleicht deshalb, weil ich mir mein Leben hier besser vorstellen und ausmalen kann. Es ist mir näher und der Himmel eben doch so weit weg. Jesus hat einmal gesagt: „Denn im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Sonst hätte ich euch nicht gesagt: Ich gehe hin, um dort alles für euch vorzubereiten.“ (Johannes 14,2)
Schaue ich dann aus den Fenstern meines 80 Jahre alten Hauses, was trotz liebevoller Renovierungsarbeiten an vielen Stellen doch noch sehr klapprig erscheint, denke ich: „Wow, wie toll muss die Wohnung sein, die Jesus schon seit einer Ewigkeit für mich einrichtet. An der er schon vor Jahren, als ich mich als 12- jährige Konfirmandin für ein Leben mit ihm entschieden habe, mein Namensschild angebracht hat und an deren Tür er mich freudestrahlend mit offenen Armen erwartet?“ Und dann freu ich mich doch wieder auf mein himmlisches Zuhause!
(Silke Lindhorst)
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