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Wort für die Woche



50. Woche | 2. Advent – 9. Dezember 2018

Flügel der Sehnsucht

In Bordighera an der italienischen Riviera steht das Grand Hotel ANGST. Ein Riesenkasten, der schon bessere Tage gesehen hat. Verfallen seit Jahrzehnten, doch immer noch beeindruckend thront „das Angst“ oberhalb der ligurischen Küstenlinie. Benannt ist es nach seinem Schweizer Erbauer Adolf Angst, der es 1887 für betuchte Gäste aus aller Welt errichten ließ.
Eine Herberge der Angst sind wir manchmal selbst. Auch deren Ausmaße können einem gewaltig und übermächtig vorkommen. Gefangen in uns selbst. Gefangen gehalten und blockiert durch das, was wir früher erfahren haben an Ablehnung, an Demütigungen, an Zurück- und Zurechtweisungen. Im Exil mag es zwar genug zu essen und zu trinken und ein Dach über dem Kopf geben – und doch: Der Traum von der Freiheit braucht Flügel.
Der Chor der gefangenen Israeliten singt in Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ von der Sehnsucht nach Befreiung und Rückkehr in die Heimat. Wie eine Traumreise klingen die berühmten Anfangszeilen „Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen.“
Man merkt vielleicht zuerst gar nicht, wenn das Gebäude schon Risse hat. Haben wir uns so sehr eingerichtet im Exil, es uns allzu bequem gemacht im Hotel unserer Ängste und Bedenken? Die Gedanken sollen wieder fliegen lernen, damit auch wir träumen mit dem Chor der Gefangenen über die Jahrtausende hinweg von dem anderen, dem besseren Leben. Einer Zukunft entgegen, wo „Ströme im dürren Land hervorbrechen“ und „der Lahme springt wie ein Hirsch und die Zunge der Stummen frohlockt“, wie es der Prophet Jesaja den Gefangenen in Babylonien einst verheißen hat.
Der Advent ist die Zeit des Wartens auf Erfüllung. Die Wochen vor Weihnachten sind mehr als das Warten aufs Christkind. Die Texte der Adventszeit führen uns in starken Bildern vor Augen, dass Gott schon einen Weg erschlossen hat. Es gibt ein Entkommen, es gibt eine Zukunft, ein Ziel jenseits der „Endstation Sehnsucht.“

Unterwegs auf dem „heiligen Weg“ steht ein Stall, umfunktioniert zu einer Herberge. Über seinem Eingang steht in großen Buchstaben: FÜRCHTET EUCH NICHT! Wer dort einkehrt, dessen Gefängnis hat schon Risse bekommen.

Predigttext für den Sonntag

Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie! Sagt den verzagten Herzen: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.“ Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden. Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen. Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.

Jesaja 35,3-10



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