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Wort für die Woche

12. Woche | Okuli – 19. März 2017

Was steckt in meinem Portemonnaie?

Sonntags vor dem Gottesdienst wurden uns Kindern früher nicht nur die Haare noch einmal durchgekämmt. Kurz bevor wir in den Käfer meines Vaters stiegen, um mit ihm zur Friedenskirche in Bonn-Kessenich zu gelangen, öffnete meine Mutter ihr Portemonnaie. Es war eines dieser altmodischen Rindsledermodelle mit Reißverschluss. Und nun standen also wir drei Kinder vor ihr – und dann gab sie jedem von uns eine Mark. Das war – jedenfalls für mich – viel Geld, in Anbetracht der Tatsache, dass wir 20 Pfennig Taschengeld pro Woche bekamen.
Im Gottesdienst wurde der etwas geheimnisvolle Klingelbeutel herumgereicht und weiter gegeben - und wir versenkten in ihn drei Mal eine Mark. Jetzt war sie weg. Aber offensichtlich erblickte sie später das Licht der Welt in anderer Umgebung für einen guten, menschenfreundlichen, aufbauenden Zweck.
Sicherlich, wir verhungerten nicht: Nach dem Gottesdienst wurde das Hühnchen in die Röhre geschoben, mein Vater lauschte Werner Höfers Frühschoppen, und wir Kinder freuten uns vor allem auf die Nachspeise „Majala“. Dies war ein Zitronengericht, auf dessen Packung ein sizilianischer Esel mit Körben voller Südfrüchte abgebildet wahr. Das alles konnten wir uns also trotz der Spende immer noch leisten.

Was mir aber bis heute zu denken gibt, war die sorgfältige Kollektenplanung meiner Mutter. Nicht erst in der Kirche wollte sie entscheiden, wieviel wir gemeinsam abgeben sollten. Sie mochte sich nicht überrollen lassen. Deshalb die Verteilung der Gelder vor dem Gottesdienst. Wie gesagt, für mich war der Beitrag viel Geld. Und ich glaube, für meine Eltern auch. Aber sie waren aus vielerlei Gründen dankbar, den Krieg überstanden und eine neue Bleibe in Bonn gefunden zu haben, dass sie etwas abgeben wollten von ihrem Lebensglück.

Mich hat diese Geldverteilung am Sonntagmorgen bis heute geprägt. Nichts war in meinem Leben selbstverständlich, vermittelte sie mir. Und: ich habe so viel, so viel mehr, als ich selber verwenden und ausgeben konnte – da war es geradezu eine Selbstverständlichkeit, anderen, die weniger glücklich dran waren als ich, davon etwas abzugeben. Und eigenartigerweise: Das Abgeben machte mir im Laufe meines Lebens geradezu Spaß. Ich fühlte mich nämlich dabei mit Menschen verbunden, denen auf eine ganz geheimnisvolle Art mein Beitrag zukam, deren Lebensziele ich unterstützen wollte und denen ich wenigstens so ein bisschen unter die Arme greifen durfte, damit sie dann ihrerseits vielleicht auch so einen harmonischen Sonntag wie ich erleben konnten.

Ja, es stimmt: Mit Spendengeldern kann Unfug angestellt werden. Und es stimmt auch dies: Ich habe nie so viel abgegeben wie die arme Witwe, die ihre ganze Habe in den Gotteskasten eingelegt hat. Aber verbunden fühle ich mich mit ihr trotzdem in der Überzeugung, dass Abgeben reich und glücklich machen kann im Vertrauen darauf, dass im Notfall Gott schon andere Menschen motivieren wird, vielleicht auch einmal für mich ihr Portemonnaie zu öffnen.

Predigttext für den Sonntag

Und Jesus setzte sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen PfennigUnd er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Markus 12,41-44



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