Neukirchener Kalender

Heutiges Kalenderblatt

Seit der Neukirchener Kalender 1890 zum ersten Mal erschien, ist er für viele Menschen weltweit eine unverzichtbare Hilfe, den Kontakt zu Gott nicht zu verlieren. In zwei Texten wird über den aktuellen Abschnitt der Ökumenischen Bibellese nachgedacht – der geistliche Impuls für den Tag wird durch ein Beispiel, eine Erzählung oder ein Gebet veranschaulicht. Tipps zu empfehlenswerten Büchern, Hinweise zu besonderen Personen der Kirchengeschichte und passende Liedangaben ergänzen die Andacht. Inzwischen gibt es den Neukirchener Kalender in unterschiedlichen Abreiß- und Buchausgaben und natürlich auch digital.

27.10.2020

Ich will wegnehmen allen fröhlichen Gesang, die Stimme des Bräutigams und der Braut, das Geräusch der Mühle und das Licht der Lampe.

Jeremia 25,10

„Wer nicht hören will, muss fühlen“, lautet eine Volksweisheit mit zweifelhaftem pädagogischem Hintergrund. Ist das die Logik, die Gott seinem Volk durch Jeremia predigen lässt? Muss Gott jetzt nicht Konsequenzen ziehen, nachdem er 23 Jahre lang erfolglos zur Umkehr gemahnt hat? Ja, kündigt der Prophet an, nicht nur mit dem Feiern hat es dann ein Ende, sondern auch der Alltag wird fremd. Kein Erwachen mehr beim vertrauten Geräusch der Mühle, die das Mehl für das tägliche Brot mahlt. Keine Abende mehr beim Licht der Lampe, das die Finsternis erträglich macht. Keine Lieder, keine Hoffnung. Alles, auch das, was vertraut und selbstverständlich war, kommt an ein Ende! Doch darin verbirgt Gott schon seine Gnade. Denn auch die Unterdrückung hat ein Ende und die Not (V. 12ff). Da können wir nur des Morgens Gottes Gnade und des Nachts seine Wahrheit verkündigen.

Das wahre Licht

Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12). Dabei denke ich an Sieger Köders Darstellung von Maria aus Magdala am Grab von Jesus. Die Darstellung beeindruckt mich sehr. Das Bild versetzt uns auf einen Friedhof. Kreuze sind zu sehen ringsum und Grabplatten, eine Steinmauer begrenzt das Areal. Dahinter erscheint die Morgenröte, ein neuer Tag beginnt! Aber nicht von der Morgenröte kommt der Trost, so herrlich sie auch ist. Nicht von der aufgehenden Sonne kommt das Licht, das Marias Trauer in Freude verwandelt. Maria schaut weg von der Morgenröte über den Grabstein. Ihr Gesicht leuchtet heller als die Morgenröte. Es wird angestrahlt von Jesus Christus, dem Auferstandenen. Er ist das Licht aus Gottes Ewigkeit, das niemals aufhört zu leuchten. Christus war, bevor Sonne, Mond und Sterne geschaffen wurden, und er wird sein, wenn Himmel und Erde vergangen sein werden.

LESETIPP:
Wolfgang Tripp (Hg.): Anstiftungen zum Leben. Lieben, teilen, vergeben. Mit Bildern von Sieger Köder. 88 S., geb., farb. Abb., 15,00 € (Schwabenverlag). – Die Bilder des Malers Sieger Köder zeigen, wie Menschen in den unterschiedlichsten Situationen gehalten und getragen sind von dem Gott, der der Schöpfer alles Lebendigen ist. Mit den Texten verschiedener Autorinnen und Autoren laden diese „Lebensbilder“ ein, das Leben zu entdecken.

Bibellese

F: Jeremia 25,1–14 K: 2. Mose 18,13–27

Lied

O Jesu Christe, wahres Licht

EG 72 GL 82 ErG 791