Spruch für den Juli
Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.
Amos 5,24
„DER hat aber angefangen!“ Wie oft habe ich in meinem pädagogischen Berufsalltag diesen Satz gehört. Damit wurde mir mitgeteilt, dass die angewandte Beleidigung, Zerstörung oder Gewalt absolut berechtigt war. Wer Leid erfährt, darf oder muss sich scheinbar zur Wehr setzen, ohne dass dies Nachteile nach sich ziehen darf. Wenn der andere anfängt, dann darf oder muss man sich wohl wehren.
Gott will es anders. Im Buch Amos wird klar: Die Armen sollen nicht unterdrückt werden. Ungerechte Steuern nicht erhoben werden. Zu Unrecht erworbener Reichtum, ein luxuriöses Leben ohne Verantwortung für die Gesellschaft, das lehnt Gott ab. Gott fordert dazu auf, das Gute und nicht das Böse zu suchen. Wenn das geschieht, dann strömen Recht und Gerechtigkeit. Beides soll nie aufhören, beides soll quellen wie ein Bach, dessen Ströme nie versiegen. Gott dreht den Spieß um: Fangt an, nicht mit dem Bösen, fangt an mit dem Guten. Fangt an mit dem Gerechten! Fangt damit an und hört gar nicht mehr auf. – Der Alltag in Schule und Beruf würde sich stark verändern. Und könnte daraus nicht auch ein Vorgehen für die großen Ungerechtigkeiten der Welt werden? Die Welt hat ihre großen Beispiele durch Mahatma Gandhi und Martin Luther King kennengelernt. Und wir Christen können es doch ganz laut sagen: „DER“ hat aber schon angefangen: Jesus Christus! Gottes Sohn ist für uns gestorben und von Gott auferweckt worden. Von dort kommt der nie versiegende Strom von Recht und Gerechtigkeit. – Diese Gewissheit bedeutet nicht, dass wir uns im Angesicht von Ungerechtigkeit und Gewalt einfach zurücklehnen; wir sind eingeladen dazu, Teil dieser „Ströme der Gerechtigkeit zu sein“. Und: Wir können den Unterdrückten und Benachteiligten wirkliche Hoffnung zusprechen, denn Gottes Gerechtigkeit ist gewiss.
Thomas Simon
