Monatsspruch

Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!

Sprüche 31,8

Müssen wir richtig laut sein für die Lautlosen? Lautstark, lauthals, alle Lautsprecher einsetzen, um die Stimmen der Verstummten zu ersetzen? Oder haben sich viele längst mit dem Oropax der Gleichgültigkeit abgeschirmt? Von den Vergessenen, den Verfolgten, den Verstummten, den Versteckten will lieber keiner hören und keiner reden. Im Kalten Krieg gab es auch den lauten Krieg bis 1965. Lautsprecherwagen in Ost und West bedröhnten ganz Berlin. Vom Westen wurde das Morden an der Mauer herausgeschrien, der Osten konterte mit Parodien – bis es wirklich keiner mehr hören konnte. Die Lautstärke ist nicht die Lösung und der Lärm ist nicht die Liebe, die nötig ist.
Ja, manche verstummen aus Angst vor der Zukunft, manche aus Verzweiflung vor Ohnmacht. Aber nur einer verstummte vor Liebe: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird“ (Jes 53,7). Dabei er hatte alles Recht, alles Unrecht an die große Glocke zu hängen, damit jeder davon hört. Doch die Anklage schweigt, und die Einladung ruft. Das Unrecht verstummt, und die Rettung redet. Dann werden Worte zu Wegen und Sprache zur Straße. Liebe ist nicht laut, aber spürbar. Dem Kraftlosen macht sie Beine. Dem Rastlosen schenkt sie eine Quelle. Den Sprachlosen gibt sie ein Argument. Dem Rechtlosen hilft sie zur Würde.
Das Wort und nicht die vielen Worte sind die Antwort auf die stummen Schreie unserer Zeit. Jesus, das Wort, das sich keiner selber sagen kann, das aber jeden fragt – bis wir den Mund endlich aufmachen und von Gottes Liebe reden. Wie der Schall eines Wortes durch die Luft weitergetragen wird, so will sich Gottes Güte in unseren Themen und Taten ausbreiten, bis sie auch den Schwächsten erreicht.