Monatsspruch

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Apostelgeschichte 17,27

Ob Fische jemals über das Element Wasser philosophiert haben? Ob Wasser existiert oder nur eine Ausgeburt piscarisch religiöser Fantasie ist? Ob sich Wasser auch der frisch-kritischen Fischvernunft erschließt oder doch nur ein Mythos ist? Fische sind stumm, aber nicht dumm. Denn ohne Wasser würde jeder Barsch sehr barsch und jeder Stockfisch stocksauer. Fische schweben und leben im Wasser. Sie jagen und genießen, sie atmen und träumen im Wasser. Wasser ist ihr Lebenselement.

Natürlich schwimmen wir nicht in Gott. Aber Gott hat sich auch nicht hinter der neuntausendsten Galaxie versteckt oder jenseits des Urknalls. Er ist unfassbar nah. So nahe wie unser Atem (1Mose 2,7). So nahe wie unser Denken (1Sam 16,7). Doch wir sehen ihn ebenso wenig wie Fische das Wasser. Ohne Gott könnten wir nicht sein. Gottlos sein, um Gott los zu sein, ist eine unmögliche Möglichkeit. Doch Gott ist kein Gefühl und kein Kalkül. Die Leute in den Zeiten des Paulus dachten dagegen von Gott  eher im großen Stil, am besten im Plural: Gott auf jeden Fall und für jeden Fall. Gott konnte man gar nicht genug haben. Aber Gott als Versicherung gegen alle Unfälle des Lebens ist purer Unsinn – als ob man mit purem Wasser gegen das Meer kämpft.

Manchen ist Gott auch so eine Art dicker Fisch, der alles irgendwann mal angestoßen hat und dann gleichgültig weiterschwimmt. Dabei ist Gott ist ganz anders, ganz aktiv, ganz und gar bei jeden Menschen. Gott ist längst da, bevor wir auch nur den ersten Laut von uns geben, und er ist noch längst nicht am Ende, wenn wir es sind. Er durchdringt alles und umringt alles, Tage voller Tränen und Stunden voller Staunen. Er umfängt uns voll Liebe. Ob das den scharfsinnigen Denkern in Athen zu verschwommen war?