Monatsspruch

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien.

Lukas 19,40

Ja, zum Schweigen gebracht werden sollte das jüdische Volk. Als die Deutschen millionenfach Juden umlegten, als die Römer den Tempel zerlegten, als die Leute vor Jesus Palmblätter auf den Boden legten. Schweigen sollten sie! Aber keine Friedhofsruhe kehrte ein, sondern das Schreien der Steine und das Trauern der Trümmer folgte.

Zum Schweigen gebracht werden soll die Sehnsucht nach Freiheit, nach Freude. Doch auch dicke Mauern und dumme Sprüche, billige Privilegien und brutale Drohungen helfen nicht auf Dauer – egal ob das Regime kommunistisch, rassistisch oder islamistisch ist. Die Ruinen dieser Systeme schreien zum Himmel – manchmal nur für Gott hörbar. Denn der Staub, den sie hinterlassen, lastet auf Herzen und Händen, listet Unrecht und Leid auf. Dabei ist Schweigen ist immer das Ziel der Finsternis, Verschweigen immer die Methode der Verbrecher, Ausschweigen immer der Versuch der Vertuschung. „Ruhe ist erste Bürgerpflicht!“ Aber die Parole hat in Preußen nicht funktioniert und funktioniert in den Zeiten globaler Kommunikation erst recht nicht. Das Krematorium von Auschwitz verklagt das maßlose Morden – unvorstellbar, unüberhörbar. Die Mauer des Tempels dröhnt von den Gebeten jüdischer Menschen – denn Gott hört und lebt. Der Stein vor dem Grab singt vom Leben – weil Jesus auferstanden ist.

Schweigen ist etwas anderes. Das kann das fassungslose Staunen sein, wenn sich ein israelischer und ein deutscher Präsident in Auschwitz treffen, wenn sogar die Reste des Tempels im Inneren von einzigartiger Architektur erfüllt sind, wenn der Gekreuzigte uns anspricht, uns aufrichtet und aus Trümmern zerbrochener Hoffnungen ein Lebensfundament macht. Dann schweigen wir vor Glück!