Wort für die Woche

3. Sonntag nach Epiphanias
Umkehr zum lebendigen Gott

„Beispiels willen … gedenken wir des Buches Ruth, welches bei seinem hohen Zweck, einem König von Israel anständige, interessante Voreltern zu verschaffen, zugleich als das lieblichste kleine Ganze betrachtet werden kann, das uns episch und idyllisch überliefert worden ist.“ Goethe hat in den „Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des west-östlichen Divans“ zwei Aussagen zum Buch Rut gemacht, deren Erkenntnis sich bei der Lektüre dieses Buches erstaunlich bestätigt: es ist ein Kunstwerk, von einem Meister erschaffen, und es ordnet sich mit seinem Rahmen und seinem Gehalt in die biblische Gesamtgeschichte ein.

Meisterlich, wie wir mit diesen konzentrierten Sätzen in eine schon zur Zeit des Erzählers ferne Vergangenheit versetzt werden und die Nöte und Hoffnungen kleiner Leute in der Zeit der Richter kennenlernen. Hungersnöte, Migration, frühes Sterben, schweres Los der Witwen, Sehnsucht nach Heimat, Geborgenheit und Gott waren auch damals den Menschen vertraut.

Zu hoher Poesie finden die Worte von Rut, die von ihrer Liebe zur Schwiegermutter Noomi, zu ihrem Volk und ihrem Gott Zeugnis ablegen: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen …“ Sie sprechen so elementar von der Liebe zu einem Menschen und zu Gott, dass sie oft bei Trauungen laut werden.

Und sie fügen sich in die Geschichte Gottes mit den Menschen ein. Zu dieser Geschichte gehören zum einen Rettungs- und Befreiungserfahrungen, wie sie das Gottesvolk Israel in Ägypten und Babylon grundlegend erlebt hat. Zu dieser Geschichte gehört aber auch der Segen, mit dem Gott sein Volk treu begleitet. Zeugen dafür sind Abraham und Josef – aber auch Noomi und Rut.

Mit Rut schließt sich eine Moabiterin dem Gottesvolk an und wird durch Gottes Segenshandeln zur Urgroßmutter Davids. Damit gehört sie auch in die Ahnenreihe Jesu. Im Gottesvolk Israel sind es nur einzelne Fremde, die dazu stoßen, in der Kirche Jesu Christi kommen alle Völker in den Blick, zu denen der Auferstandene seine Boten sendet.

Wichtig ist dabei ein Wort, das in der Bibel eine zentrale Rolle spielt, und das im 1. Kapitel des Buches Rut allein zwölfmal vorkommt: umkehren – Hebräisch: schub. Sechsmal wird es auf die Rückkehr nach Moab angewandt, sechsmal auf die Heimkehr nach Bethlehem. Orpa kehrt zurück in ihr altes Leben und verschwindet wieder im Dunkel der Geschichte. Rut kehrt mit Noomi heim zum lebendigen Gott der Bewahrung und Verheißung. Die Entscheidung fällt an der Grenze zwischen Moab und Israel. Die Entscheidung fällt zwischen Unglauben und Glauben. Die Entscheidung fällt in einem jeden Menschen.

Umkehr zum lebendigen Gott ist die Botschaft der Propheten, ist die Predigt des Jesus von Nazareth. „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr leitet?“ schreibt Paulus im Brief an die Römer. Alle rufen sie zur Umkehr zu dem Gott, der seine Menschen begleiten, behüten und segnen will – zum Segen für diese Welt und ihre Völker. Rut kehrt um zu diesem Gott und gewinnt neues Leben und Zukunft. Ihre Umkehr-Geschichte gehört zu den schönsten und stark berührenden Büchern der Bibel.

Predigtext für den Sonntag

1Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren,8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. 14Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen. Und als sie nach Bethlehem hineinkamen, erregte sich die ganze Stadt über sie, und die Frauen sprachen: Ist das die Noomi?

     

                                  Rut 1,1-19a  

Gebet:

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

EKG 369,7 (Georg Neumark 1641/1657)

 

Wochenspruch:

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Lukas 13,29

Autor:

Dr. Wolfgang Döbrich
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