Wort für die Woche

2. Sonntag nach Epiphanias
Unterscheiden

Zweifellos gehört die Gabe des Unterscheidens zur Weisheit wie der Stern von Bethlehem zum Christfest. Der leuchtet und will Orientierung im Leben geben. Darum geht es, wenn der Apostel Paulus zwischen der Weisheit der Menschen und der Weisheit Gottes unterscheidet. Nach den Festtagen prägt uns wieder die Weisheit der Welt mit ihren Vorzügen und Unvollkommenheiten.

 

Wir haben uns die Erde in menschlicher Weisheit untertan gemacht. Das blieb nicht ohne Folgen. Nicht immer sind es segensreiche Veränderungen, die die Welt bestimmen. Sie ist voller Ungerechtigkeit und großer Probleme, die uns Sorgen machen. Menschliche Weisheit kommt immer wieder an Grenzen. Was weitsichtig scheint, ist oft nur kurzsichtig. Was neu ist und Rettung und Wohlstand verspricht, zeigt bald die Kehrseite der Medaille. Ernüchterung stellt sich ein, wenn wir an die Folgen für Umwelt und Miteinander der Menschen denken.

 

Paulus stellt all dem Gottes Weisheit gegenüber. Sie ist weitsichtig, aber unbequem. Sie gibt Orientierung und ruft zugleich in die Verantwortung. Christus ist geboren, damit wir mit ihm Anteil an Gottes Weisheit haben. Er lehrte und tat Zeichen für eine erneuerte Welt. „Woher hat er diese Weisheit und Kraft, Wunder zu tun?“ fragten die Bewohner seiner Heimatstadt. Und schon damals blieb er unverstanden. „Der Prophet gilt nichts im eigenen Land“, war seine Reaktion darauf. Gilt er heute mehr? Hat uns Gottes Weisheit erreicht, die mit Jesu Leben und Wirken so anschaulich und erfahrbar wurde? Die Weisheit der Welt gilt heute mehr als die Botschaft des Glaubens. Die Kraft zur Unterscheidung der Geister hat der Glaube nicht verloren. Vielmehr gibt er Orientierung im Leben und lässt uns die Welt als wunderbares Geschenk Gottes erkennen. „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang.“ So heißt es in Psalm 111.

 

Paulus lebte in dieser Ehrfurcht vor Gottes Weisheit. Er erlebte, wie seine Predigten und seine Person als Apostel angezweifelt wurden. Die Gemeinde war voller Spannungen. Deshalb blickte er auf seine Zeit in Korinth „mit Furcht und großem Zittern“ zurück. Er muss tief verletzt gewesen sein. Doch er gab nicht auf und verwies auf Gottes Geist, der ihm Kraft und Einsicht schenkte. Und das ist auch das Ermutigende für uns heute: die Weisheit der Welt kritisch wertzuschätzen und Lebensorientierung aus Gottes Kommen in die Welt durch Christus zu beziehen.

Predigtext für den Sonntag

Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. 3 Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

 

    1.Kor 2,1-10

Gebet:

Gütiger Gott, lass uns aus deiner Weisheit die Kraft schöpfen, die wir für das neue Jahr brauchen. Lass uns an Christus als Orientierung für unser Leben festhalten, damit wir auf sicherem Weg auch durch unsichere Zeiten gehen. Amen

Wochenspruch:

Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Johannes 1, 16

 

Autor:

Pfr. i. R. Harald Wachsmuth
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