Wort für die Woche

20. Sonntag nach Trinitatis, 25. Oktober 2020
Zur Ruhe kommen

Wofür ist der Sonntag gut? Fragen Sie mal im Bekanntenkreis. Sie werden viele Varianten hören: fürs Ausschlafen, für Sport, für Freunde, für Ausflüge. Nicht schlecht, das alles. Aber die beste Antwort fehlt noch. Wofür ist der Sonntag gut? Für dich. Nicht für etwas, sondern für dich. Von Hause aus – d.h. von Gott aus – musst du gar nichts tun am Sabbat. Dieser Tag ist einfach sein Geschenk an dich. Jede Woche. Als Gott die ganze Welt in Gang gesetzt hatte, so steht es im 1. Kapitel der Bibel, da ruhte er. Ruhen heißt in jüdischer Tradition: schauen, wahrnehmen, es gut sein lassen. Gott hat die Welt gut sein lassen. Das unterscheidet dieses Geschenk von vielen anderen Kulturen und Traditionen. Wenn es dort einen Pausentag gibt, dann dient er oft zur Wiederherstellung der Arbeitskraft. Nicht so der Sabbat. Er ist einfach für dich da. Wie Gott kannst du auf dein Leben schauen. Was ist gut? Was weniger? Was gar nicht? Du kannst deine Gedanken und Gefühle mit Gott teilen. Er hat ein Ohr für das, was du brauchst. Darum sagt Jesus: der Sabbat ist für den Menschen gemacht. Es wäre schade, ihn zu benutzen, um ihn mit alternativem Stress zu füllen. Es wäre schade, Regeln höher zu achten als Menschen. Die Regel, am Sabbat nicht zu arbeiten, dient der Freiheit.

 

Jesus hat das genau so geachtet. Er war in der Synagoge, hat geruht und gebetet. Aber wo jemand in Not war, unmittelbar Hilfe brauchte oder Hunger hatte, war dieser Mensch wichtiger als die eigene Ruhe. Manche dieser Schönheiten der Sabbattradition sind in den christlichen Sonntag übernommen worden. Aber er leidet oft daran, dass Menschen mit sich selbst nur wenig anfangen können. Ohne Computer, Smartphone und Shoppingmöglichkeiten werden sie nervös. Wie schön, wenn man – nicht aggressiv, sondern ganz freundlich – allen Verlockungen entgegnen kann: Lass mir meine Ruhe. Meine (!) Ruhe. Mein Leben ist interessant genug, an einem Tag der Woche betrachtet zu werden. Da brauche ich keine Ablenkung oder Animation. Ich habe Zeit für mich und für Gott. Zu zweit schauen wir an, wie es weitergehen kann. In aller Ruhe. Niemand darf mir am Sabbat etwas vorschreiben. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, weil unerledigte Arbeit herum liegt. Alle Arbeit hat Zeit bis morgen. Wir fragen so oft: Was soll ich tun und machen? Es ist doch auch gut zu fragen: Woher bekomme ich etwas? Zuspruch, Segen, Freiraum. Lasst mir meine Ruhe. Sie gibt meinem Leben Tiefe und Gelassenheit.

                              

Predigtext für den Sonntag

23Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

 

Markus 2,23 - 28

Gebet:

Gott im Himmel und auf Erden: danke für diesen Tag. Und für mich. Danke für das Aufwachen und für das Frühstück. Danke für jeden Atemzug. In mir steckt viel Unruhe. Oft denke ich „ich müsste eigentlich…“ Nimm mich in Schutz, Gott. Lass mich in Ruhe bei Dir.

Amen

 

Wochenspruch:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

  

            Micha 6,8

Autor:

Prof. Dr. Stephan Claaß
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