Wort für die Woche

8. Sonntag nach Trinitatis
Keineswegs ‚total egal‘

Alles ist mir erlaubt.“  Für manche eine betörende Vorstellung: zu tun und zu lassen, was einem gefällt. Doch wie verheißungsvoll und erstrebenswert ist das wirklich?

 

Mit der Parole greift Paulus das Denken einer Gruppe in der Gemeinde in Korinth auf. Für sie war dieser Leitsatz Symbol und Inbegriff christlicher Freiheit. Alte Bindungen und Zwänge waren durch Christus überwunden. Als vom Geist Erleuchtete und Erfüllte glaubten sie, das profane und vordergründige, das vorläufige irdische Leben schon hinter sich gelassen zu haben. Sie sahen sich in einen Zustand vollkommener Erlösung versetzt und wähnten sich in einer anderen und höheren Sphäre.

 

Der Geist Gottes, der sie verwandelt hatte, hatte nach ihrer Meinung nichts mit der minderwertigen, vergänglichen menschlichen Leiblichkeit zu tun. Insofern war es auch nebensächlich, ja eigentlich „total egal“, wie das äußere Leben gestaltet wurde. Man merkt, wie aufgebracht Paulus reagiert. Sieht er doch in einem solchen Denken eine bizarre Verdrehung und Verfälschung des christlichen Glaubens. Freiheit in Christus ist keine abgehobene Erleuchtungserfahrung, bei der es auf das gelebte Leben nicht mehr ankommt. Ganz im Gegenteil, gerade an der verantwortlichen Gestaltung des Lebens zeigt sich, ob uns der Geist Christi leitet oder nicht. 

 

„Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes!“ Mit pointierten Worten widerspricht Paulus dem korinthischen „Höhenflug“ mit seinen falschen Trennungen und Aufspaltungen. Nicht losgelöst von der sozialen und sinnlich-erfahrbaren Dimension des Menschseins, sondern mitten in ihr will Gottes Geist in seiner erneuernden Kraft wirksam werden. Geisterfülltes Leben „verleiblicht“ sich und bewährt sich in den angeblichen „Niederungen“ des Alltags: In den praktischen Herausforderungen des Lebens. Im Umgang mit den Mitmenschen. In klaren und verlässlichen Beziehungen. In konkreter tatkräftiger Solidarität und Hilfe.

 

Freiheit in Christus kann nicht zu Gleichgültigkeit und Beliebigkeit führen. Denn eine grundlegende Gotteserfahrung bestimmt letztlich das Christsein.  „Ihr seid teuer erkauft!“ schreibt Paulus. Um uns zu gewinnen, hat Gott sich ganz auf unser menschliches Dasein eingelassen hat. In der Person Christi ist seine Liebe Mensch geworden. Darum, weil wir Gott nicht „total egal“ sind, hat unser Menschsein eine einzigartige Würde und Bestimmung. In der Kraft seines Geistes soll und darf es zu einem Spiegelbild seiner Wahrheit und Liebe werden.

Predigtext für den Sonntag

Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder 10 noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben. 11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid reingewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes. 12 Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. 13 Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise; aber Gott wird das eine wie das andere zunichtemachen. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. 14 Gott aber hat den Herrn auferweckt und wird auch uns auferwecken durch seine Kraft. (…)19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

 

 

 

1.Korinther 6, 9-14 (15-18) 19-20

Gebet:

Gott, wir danken dir, dass du dich unserer annimmst. In Christus hast du uns zu deinen Kindern gemacht. Leite uns durch deinen Geist, dass unser Leben deine Wahrheit bezeugt und dass unser Denken und Tun ein Abbild deines gestaltenden Wirkens ist. Amen

Wochenspruch:

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

 

                                                                                                                      Epheser 5, 8b. 9

Autor:

Dr. Klaus Peter Voß
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